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Projektbeschreibungen

1. Bremen entwickelt und erprobt Wege einer kontinuierlichen kindlichen Bildungsbiografie

Das Bremer Landesprojekt „TransKiGs“, an dem über 60 Kindertagesstätten und Grundschulen beteiligt sind, hat zum Ziel, die Bildungs- und Erziehungsqualität im Elementar- und Primarbereich durch Weiterentwicklung der Kooperationsstrukturen und durch Abstimmung der Bildungsprozesse und -inhalte zu stärken und somit eine kontinuierliche kindliche Bildungsbiografie zu bewirken. Hierzu ist es erforderlich, den Übergang von der einen zur anderen Institution zu systematisieren und derart zu gestalten, dass er von Kindern positiv und ohne gravierende Brüche erlebt und bewältigt werden kann. Diese Ziele haben weitreichende Konsequenzen für die Strukturen und die Arbeit in beiden Bereichen.

Mit dem Eintritt in die Schule stehen Kinder vor einer neuen Herausforderung. Sie sind aufgefordert, sich Neuem zuzuwenden, sich neue Lerninhalte zu erarbeiten und neue Lernerfahrungen zu bewältigen. Die Schule muss berücksichtigen, dass die Kinder bis zum Zeitpunkt des Schulanfangs bereits individuelle Erfahrungen gemacht haben, sich die Welt zu erschließen. Jedes Kind verfügt über mehr oder weniger ausgeprägte Bilder, Vorstellungen und Sichtweisen auf die Welt. Jedes Kind trägt Fragen an die Welt mit sich und versucht zu verstehen, „was die Welt zusammenhält“. Mit dem Schuleintritt steht jedes Kind vor der Aufgabe, neue Inhalte in seine bestehende Konstruktion von der Welt zu integrieren. Kenntnisse werden erweitert und vertieft, nicht mehr passende Auffassungen revidiert und durch neue ersetzt. Bei der Bewältigung dieses Prozesses können Kinder unterstützt werden, wenn Schule auf vorangegangene Erfahrungen der Kinder zurückgreift. Vertrautheit mit der neuen Lebens- und Lernumgebung sowie die Begleitung in die veränderte Lebenswelt durch vertraute Personen bilden hier einen entscheidenden unterstützenden Rahmen. Alle diese Faktoren spenden Kindern Sicherheit, die es ihnen erleichtert, ihre Entdeckungsreise in unsere vielfältige Welt kontinuierlich fortzusetzen und vor dem Hintergrund ihrer neu gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse fortlaufend ihre Selbstkonstruktionen zu aktualisieren.
Den Kindern einen sicheren Wechsel von der einen Bildungsinstitution in die andere zu ermöglichen, ist das Grundanliegen des Projektes. Das zu entwickelnde Konzept zum Übergang beinhaltet Fortführung und Anforderung an Neues gleichermaßen, so dass Kinder ihre neugierigen Fragen und ihr forschendes Zugehen auf die Welt beibehalten und auf ihrem weiteren Bildungsweg ausbauen können.

Das Gestalten von gelingenden Übergängen setzt eine enge Kooperation beider Bildungsinstitutionen voraus und bedeutet eine Herausforderung für die Pädagogen/innen beider Professionen. Das Projekt „TransKiGs“ will diese Zusammenarbeit zwischen Erziehern/innen und Lehrern/innen befördern und ausbauen. Dabei steht die Frage, wie die Bildungsangebote inhaltlich und pädagogisch stärker aufeinander abgestimmt werden können im Zentrum des Projektes. Ergänzend wird erprobt, inwieweit die vorliegende Bremer „Individuelle Lern- und Entwicklungsdokumentation“ für den Elementarbereich ein hilfreiches Instrument im Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule ist und wie diese mit der in Grundschulen praktizierten Form verbunden werden kann. Darüber hinaus gilt es, die Lern- und Entwicklungsdokumentation für Gespräche mit Eltern über die Entwicklung ihres Kindes zu nutzen und dadurch auch die Zusammenarbeit mit den Eltern zu intensivieren.

2. Projektziele

Das Bremer Modellprojekt „TransKiGs“ ist darauf ausgerichtet, die bereits bestehenden Bemühungen zur Neugestaltung des Überganges auszubauen. Somit werden langfristig Grundlagen gelegt, Kindern eine kontinuierliche und individuelle Begleitung ihres Bildungsweges von der Kindertageseinrichtung an zu garantieren.

  • Die Arbeit im Projekt orientiert sich an den folgenden Zielen:
    Entwicklung eines gemeinsamen Bildungsverständnisses, orientiert am „Rahmenplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich“ sowie an den „Pädagogischen Leitlinien“ des Rahmenplanes für die Primarstufe,
  • Entwicklung eines gemeinsamen Rahmenkonzeptes zur Unterstützung der Kontinuität des kindlichen Bildungsweges,
  • Abstimmung der inhaltlichen und pädagogischen Arbeit zwischen Kindertageseinrichtung und Grundschule anhand exemplarisch ausgearbeiteter Praxisprojekte der Bildungsbereiche des Rahmenplanes für Bildung und Erziehung im Elementarbereich,
  • Erprobung und konzeptionelle Weiterentwicklung der Bremer „Individuellen Lern- und Entwicklungsdokumentation“ im Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule,
  • Erprobung des Instrumentes der Bremer „Individuellen Lern- und Entwicklungsdokumentation“ als Beratungsgrundlage in der Zusammenarbeit mit Eltern.
  • Um die Erfahrungen und Ergebnisse des Projektes verallgemeinern zu können, sollen im Rahmen von „TransKiGs“ folgende Produkte erarbeitet werden:

Beispiele für themenbezogene pädagogische Angebote (u.a. auf Grundlage der Formulierung gemeinsamer Bildungsziele, altersadäquate Gestaltung des pädagogischen Angebotes),

  • Vorschläge für eine abgestimmte Lern- und Entwicklungsdokumentation in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sowie für Regelungen, wie diese einzusetzen ist,
  • Handreichung für ein gemeinsames Fortbildungskonzept für Erzieher/innen und Lehrer/innen im Hinblick auf Lern- und Entwicklungsprozesse von Kindern sowie Ergänzungsangebote speziell in Bezug auf den Übergang,
  • Handreichung für die Zusammenarbeit mit Eltern auf Basis der Lern- und Entwicklungsdokumentation.

3. Organisationsstruktur

Organisatorisch setzt sich das Projekt neben den regionalen Verbünden aus einer Projektleitung, Projektkoordination sowie Projektbegleitung zusammen. Bei Bedarf ist eine wissenschaftliche Beratung vorgesehen.

Ein grundlegendes Merkmal der Organisationsstruktur stellt das eng geknüpfte Kooperationsnetz zwischen den am Projekt beteiligten Ebenen dar, wodurch alle am Projekt beteiligten Personen in einem fortwährenden Kommunikationsprozess eingebunden sind.

Zur Umsetzung der Projektziele treffen sich die regionalen Verbünde monatlich mit der Projektbegleitung, um die Projektarbeit zu planen, zu organisieren und zu reflektieren. Ebenfalls monatlich, bei Bedarf auch häufiger, tauscht sich die Projektbegleitung mit der Projektkoordination über den aktuellen Stand im Projekt sowie über die Umsetzung der nächsten Schritte aus. Etwa vier- bis fünfmal im Jahr treffen die Projektleitung, die Projektkoordination und die Projektbegleitung zu einem Arbeitstreffen über den laufenden Projektprozess zusammen. Darüber hinaus steht die Projektkoordination allen am Projekt beteiligten Personen jederzeit für Anfragen zur Verfügung.
Grafisch ergibt sich folgendes Bild:

Organisationststruktur "TransKiGs" Landesprojekt Bremen

Regionale Verbünde: Elf regionale Verbünde, die sich aus 45 Kindertagesstätten und 18 Grundschulen zusammensetzen, arbeiten kooperativ an der Umsetzung der Ziele des Bremer Projektvorhabens. Die Größe der Verbünde ist sehr unterschiedlich. Die Spannweite reicht von drei Institutionen (eine Grundschule und zwei Kindertagesstätten) bis hin zu Verbünden mit 14 Institutionen (mehrere Grundschulen und Kindertageseinrichtungen), die Kooperationsbündnisse bilden.

Projektleitung: Die Projektleitung liegt beim Senator für Bildung und Wissenschaft, vertreten durch Lotta Ubben, sowie beim Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, vertreten durch Dr. Doris Bollinger.

Projektkoordination: Für die Koordination des Projektes ist Annette Samuel zuständig.

Projektbegleitung: Die Projektbegleitung setzt sich aus dem/r Fachberater/in im Bereich der Kindertagesbetreuung, Ilse Peppel (freie Mitarbeiterin; ehemals Amt für Soziale Dienste) und Jörg Schmele (Landesverband ev. Tageseinrichtungen für Kinder) sowie dem/r Schulentwicklungsberater/in Gabriela Novello und Andreas Tournier-Barkey, beide Landesinstitut für Schule (LIS), zusammen. Gemeinsam unterstützen sie den Projektprozess der einzelnen Verbünde vor Ort.
Im Oktober 2006 tritt Ilse Peppel in den Ruhestand. Ab September 2006 wird Ilke Crone, Psychologin in eigener Praxis, ihre Aufgabe im Team der Projektbegleitung übernehmen.

Foren: Im Projektzeitraum sind vier Foren vorgesehen. Diese Veranstaltungen bieten allen am Projekt beteiligten Personen die Möglichkeit, sich verbundsübergreifend intensiver kennen zu lernen, den Stand und die Erfahrungen der Projektarbeit auszutauschen sowie theoretisches Wissen zur Übergangsthematik in Form von Vorträgen und Workshops zu vertiefen.

4. Projektarbeit

Um die Ziele des Projektes zu realisieren, werden in den Verbünden Praxiskonzepte konzipiert und durchgeführt, die sich am „Rahmenplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich“ orientieren und thematisch auf einen der Bildungsbereiche Bezug nehmen.
Die Wahl des Bildungsbereiches liegt beim jeweiligen Verbund selbst. Dabei besteht durchaus die Möglichkeit, dass mehrere Schwerpunkte ausgewählt werden, die jeweils von einem kleinen Kreis an Einrichtungen erarbeitet werden.

Im Rahmen dieser Praxisprojekte erproben Erzieher/innen und Lehrer/innen gemeinsam das für den Elementarbereich entwickelte Instrument der Bremer „Individuellen Lern- und Entwicklungsdokumentation“.
Die in der Praxis gewonnenen Erfahrungen bei der Erprobung des Instrumentes werden zur konzeptionellen Weiterentwicklung der Lern- und Entwicklungsdokumentation im Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule genutzt. Die Ergebnisse sollen gleichzeitig für die Entwicklung einer weiterführenden Dokumentation, die in der Grundschule eingesetzt werden kann, verwendet werden. Darüber hinaus wird die Lern- und Entwicklungsdokumentation für Gespräche mit Eltern über die Entwicklung ihres Kindes eingesetzt, um zu erproben, ob das Instrument geeignet ist, die Zusammenarbeit mit den Eltern zu intensivieren.

Um die Zusammenarbeit zwischen Erziehern/innen und Lehrern/innen zu stärken und gemeinsame frühkindliche Bildungskonzepte kindgerecht zu entwickeln, nehmen die Pädagogen/innen aus Kindertagesstätten und Grundschulen an gemeinsamen Fortbildungen und Fachtagen teil.

Die Fortbildungen und Fachtage umfassen folgende Schwerpunkte:

  • Entwicklung eines gemeinsamen Bildungsverständnisses,
  • Gestaltung von Bildungsangeboten,
  • kontinuierliche Begleitung und Organisation der Bildungsprozesse,
  • Beobachtung und Dokumentation kindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse.

Fortbildungswünsche und –bedarfe, die sich im Projektverlauf ergeben bzw. die von den Verbünden benannt werden, finden – soweit möglich – Berücksichtigung.

5. Prozessbegleitendes Unterstützungssystem

Die Kooperationsarbeit in den Verbünden wird durch die Projektbegleitung unterstützt. Die Fachberater/innen und Schulentwicklungsberater/innen stehen den einzelnen Verbünden bei der Umsetzung der Projektziele beratend und begleitend zur Seite. Dabei achten sie zum einen darauf, dass die Verbundarbeit an den Projektzielen orientiert ist, zum anderen leisten sie Unterstützung bei der Dokumentation und Auswertung der Projektarbeit. Darüber hinaus steht die Projektbegleitung den Verbünden bei der Ergebnissicherung sowie der Erstellung der o.g. Produkte beratend zur Verfügung.

Erzieher/innen und Lehrer/innen sowie die für einen regionalen Verbund zuständige Projektbegleitung kommen monatlich zu einem Verbundtreffen zusammen. Gemeinsam werden nächste Projektschritte geplant und vorbereitet, auftretende Schwierigkeiten diskutiert und reflektiert, und es werden Lösungen gesucht sowie Erfahrungen ausgetauscht. Die regelmäßige und aktive Beteiligung an den Sitzungen wurde zu Beginn der Projektarbeit in Form einer Projektvereinbarung zwischen den Auftraggebern, dem Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales sowie dem Senator für Bildung und Wissenschaft und den Projektteilnehmern/innen verbindlich festgehalten.

Die beiden Großverbünde, die sich aus 13 bzw. 14 Kooperationspartnern zusammensetzen, werden in Form von Tandems, d.h. jeweils einem/er Fachberater/in und einem/er Schulentwicklungsberater/in begleitet. In den kleineren Verbünden ist ein/e Fachberater/in oder ein/e Schulentwicklungsberater/in hauptverantwortlich tätig. Bei Bedarf steht auch hier ein/e Tandempartner/in zur Verfügung.

6. Aktuelles

Der offizielle Start des Projektes „TransKiGs“ wurde mit einer Kick-Off-Veranstaltung am 23. Februar 2006 eingeläutet. An diesem ersten FORUM nahmen Fachkräfte aus den am Projekt beteiligten Kindertagesstätten und Grundschulen sowie Vertreter/innen der beteiligten Träger der Kindertageseinrichtungen teil.

Seit der Kick-Off-Veranstaltung haben sich alle regionalen Verbünde mit ihrer jeweiligen Projektbegleitung mehrere Male getroffen, um die gemeinsame Arbeit konkret zu planen und zu organisieren. Um den Stand der Zusammenarbeit sowie Vorstellungen und Wünsche an die Projektarbeit zu ermitteln, hat inzwischen jeder Verbund eine „Checkliste der Zusammenarbeit“ aufgestellt. Viele am Projekt Beteiligte bekräftigen den Wunsch, den Austausch zwischen Kindertagesstätte und Grundschule zu verstetigen, um für die Kinder eine Schule zum „Anfassen“ zu schaffen. Obwohl die im Projekt erforderliche Kooperationsarbeit sehr zeitintensiv ist, sind viele daran interessiert, das Thema „Übergang“ auf eine kooperative Ebene zu stellen und dadurch die starre Abgrenzung der Institutionen aufzulösen.

Momentan beschäftigt sich jeder Verbund damit, Arbeitsziele zur Umsetzung der Projektziele zu vereinbaren und diese in der o.g. Projektvereinbarung festzuhalten. Allen Verbünden ist es besonders wichtig, einen Jahres- und Ablaufplan zu erstellen, um die Kooperation auf personenunabhängige „Füße“ zu stellen. Es besteht der intensive Wunsch, eine „Struktur zu entwickeln, die bleibt“. Gleichzeitig werden Themen aus den Bildungsbereichen für die Praxisprojekte ausgewählt, die im Herbst 2006 bzw. im Frühjahr 2007 in den Verbünden durchgeführt werden.
Hohes Interesse und Engagement aller Beteiligten begleitet die Arbeit in den Verbünden, um den Übergang von der Kindertagesstätte  in die Grundschule gleitend zu gestalten.

7. Termine

Fortbildung: Einführung in die Bremer „Individuelle Lern- und Entwicklungsdokumentation“
Am 10./11./12. Oktober 2006 findet für alle am Projekt beteiligten Erzieher/innen und Lehrer/innen eine gemeinsame Fortbildung zur Anwendung der Bremer „Individuellen Lern- und Entwicklungsdokumentation“ statt.

FORUM II
Am 22. November 2006 sind alle am Projekt beteiligten Erzieher/innen, Lehrer/innen und Vertreter/innen der Träger für Kindertageseinrichtungen zum zweiten FORUM eingeladen, das dem Thema „Wie lernen Kinder? – Aktuelle Forschungsergebnisse mit praktischer Bedeutung für den Elementar- und Primarbereich“ gewidmet ist.
Referent: Dipl. Psychologe Fridolin Sickinger.